Tagarchiv: Alltag

Vergeht auch Zeit wenn nichts passiert? Ich meine so rein gar nichts. Nix Überhaupt nichts. Nur mal angenommen, rein theoretisch – das Universum bliebe stehen. So völlig. Absolut. Alles steht still. Die Wechselwirkungen, ob groß oder klein, hören auf zu wechselwirken, der Quantenschaum schäumt nicht mehr und überhaupt wird es sehr ruhig rundum. Vergeht in diesem, aus der subjektiven Sicht eines Großstadtbewohners, paradisischem Zustand noch Zeit?

Es bleiben Zweifel.

Ich habe heute einfach keine Lust. Zu gar nichts. Dabei gibt es so viel zu tun, Dinge die sehnsüchtig ihrer Erledigung harren. Und? Nix. Keine Lust. Sowas von überhaupt keinen Bock. Das ist schlecht. Das verbreitet negative Schwingungen und gibt einen saftigen Abzug bei den Karma-Punkten. Nicht das es mir irgendetwas anderes als egal wäre, aber schön mal daran gedacht zu haben. Es ist wieder einer dieser langen Momente, in denen man einem Kaktus beim Wachsen zuschauen könnte. Oder wie es Douglas Adams so treffend formulierte – der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele.

Nach über 4 Monaten wird es Zeit für ein kurzes Lebenszeichen. Und so lasse ich meine Stimme erschallen aus den finsteren Tiefen des Vergessens. Ich bin noch da.

Früher oder später werden wir ja alle von dem großen schwarzen Kombi abgeholt. Sowenig erfreulich diese Tatsache auch im Großen und Ganzen ist, sollte man sich dessen ungeachtet möglichst frühzeitig einige Gedanken zum Thema machen. So geschehen letzte Nacht.

Was soll eigentlich auf dem Grabstein stehen? Wie sollte dieser letzte Satz aussehen? Sollte diese Inschrift wie zumeist ein Medium der trauernden Hinterbliebenen sein, über das der vorbeiflanierende Friedhofsgänger über den „viel zu frühen Abschied eines geliebten Menschen“ in Kenntnis gesetzt wird oder neidischen Nachbarn die glorrreichen Lebensleistungen des Dahingeblichenen final unter die Nase gerieben werden? Oder sollte der Stein eher ein Ort des letzten Aufbegehrens des früh Erkalteten sein, der Welt ein letztes Mal den Finger zu zeigen?

Wie wäre es mit Inschriften wie:
„Offline“
„Komme gleich wieder“
„Hier könnte Ihre Werbung stehen“

Es bleiben Zweifel.

Es ist 22:30 Uhr, ich hocke immer noch im Büro und krieche langsam auf dem Zahnfleisch. Noch knapp 26 Stunden bis zum Urlaub und Projektstress bis Oberkante Unterlippe. Mal wieder eine spätabendliche Bugfixing Session. Ich wüßte nicht was ich lieber täte. Sollte es irgendwann mal eine neue Ausgabe der göttlichen Komödie geben, bestehe ich auf einer Erweiterung der Höllenkreise durch einen „IT-Projekt“ Kreis.

Hätte ich bloß was Vernünftiges gelernt. Dann müsste ich mir jetzt nicht die Nacht mit so einem Sch… um die Ohren schlagen.

Ein schön kaltes Bier wäre jetzt was Feines. Moment! Hatte nicht ein Kollege neulich irgendwas von einem Kasten erwähnt. Mache mich mal auf die Suche…
Habe ihn gefunden. Tatsächlich, ein zur Hälfte gefüllter Kasten. Mindesthaltbarkeit: 01.05.07. Ich könnte heulen.

Als Douglas Adams 1980 in einem Prolog zu einem seiner Bücher die Theorie entwarf, nach der das Universum, sobald jemand herausbekommt warum es da ist und wie es funktioniert, verschwinden und durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt werden würde, konnte er nicht ahnen, das ein zukünftiger deutscher Innenminister diese Theorie zum Leitgedanken seiner Sicherheitspolitik machen würde.

Um nicht missverstanden zu werden. Natürlich plant er nicht die Weltherrschaft an sich zu reißen oder gar das Universum zu ersetzen, zumal das vom Rest der Menschheit mangels Interesse ohnehin unbemerkt bleiben dürfte. Nein. Seine Sache ist nicht das Ersetzen. Seine Mission ist die Kreation, die Schaffung immer neuer, immer bizarrerer Vorschläge zur Erhöhung der inneren Sicherheit, die oftmals nicht nur schwer nachvollziehbar sondern teilweise rechtlich wie moralisch eher grenzwertiger Natur sind. Dabei scheint der Spannweite seiner Ideen keine wie auch immer geartete Grenze gesetzt zu sein. Sei es das computergestützte Eindringen in die Privatsphäre oder die Vorbeugehaft für potenzielle Gefährder. Besonders auf diesem Personenkreis ruht derzeit der Blick des Ministers und so wird ein Feuerwerk potenzieller Verwahrungsstategien abgebrannt, dessen trauriger Höhepunkt sicherlich mit dem Gedankenspiel der staatlich sanktionierten Tötung von Verdächtigen erreicht wurde.

Ohne Rücksicht auf Verluste werden die freiheitlichen Grundrechte nach Belieben und persönlichem Gutdünken im Kampf gegen den Terror verheizt und zum Preis einer illusorischen Sicherheit verramscht. Auch wird man das Gefühl nicht los, dass der allseits propangierte Anti-Terrorkampf als Vehikel genutzt wird, als ein nützlicher Idiot den, wenn nicht ahnungslosen, so doch kaum politisch interessierten Bürger die Krallen zu stutzen und ihn endgültig zum handzahmen Stimmvieh zu degradieren.

Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nie erwachen
Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt
Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt:
Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!

Erich Kästner 1932

[Update]: Schön wenn den Worten auch Taten folgen und so habe ich mich an dieser hier gefundenen Aktion beteiligt. Bücher sind bestellt und ich harre ihrer Ankunft. Dann bekommt Herr S. sein Exemplar zusammen mit einem netten Brief mit der Bitte um nähere Erläuterung. Immer in der Hoffnung, das
a) hinter dem Ganzen ein wie auch immer gearteter Sinn steckt und
b) der werte Herr Volksvertreter die Zeit findet ein paar Antworten zu formulieren, die über Standardfloskeln hinausgehen.

Dienstag morgen, 07:00. Der Wecker wirkt heute weit weniger aufdringlich als an anderen Tagen. Auch die sonst so ausgeprägte frühmorgentliche Missstimmung [schreibt man das nach neuer Rechtschreibung tatsächlich so?] tritt heute nur sehr gedämpft auf. Kein Wunder, steht doch der Flug nach Kansas City an. Die körperlichen Wartungsarbeiten [schöne Formulierung Mr. Switters] dauern etwas länger, da heutzutage zügelloser Bartwuchs und frisurresistente Haare schon den Unterschied zwischen 5 Tagen gemäßigten Missouri Klimas oder jahrelanger kubanischer Sonne ausmachen können.
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