Tagarchiv: Gedanken

Vergeht auch Zeit wenn nichts passiert? Ich meine so rein gar nichts. Nix Überhaupt nichts. Nur mal angenommen, rein theoretisch – das Universum bliebe stehen. So völlig. Absolut. Alles steht still. Die Wechselwirkungen, ob groß oder klein, hören auf zu wechselwirken, der Quantenschaum schäumt nicht mehr und überhaupt wird es sehr ruhig rundum. Vergeht in diesem, aus der subjektiven Sicht eines Großstadtbewohners, paradisischem Zustand noch Zeit?

Es bleiben Zweifel.

Nach über 4 Monaten wird es Zeit für ein kurzes Lebenszeichen. Und so lasse ich meine Stimme erschallen aus den finsteren Tiefen des Vergessens. Ich bin noch da.

Früher oder später werden wir ja alle von dem großen schwarzen Kombi abgeholt. Sowenig erfreulich diese Tatsache auch im Großen und Ganzen ist, sollte man sich dessen ungeachtet möglichst frühzeitig einige Gedanken zum Thema machen. So geschehen letzte Nacht.

Was soll eigentlich auf dem Grabstein stehen? Wie sollte dieser letzte Satz aussehen? Sollte diese Inschrift wie zumeist ein Medium der trauernden Hinterbliebenen sein, über das der vorbeiflanierende Friedhofsgänger über den „viel zu frühen Abschied eines geliebten Menschen“ in Kenntnis gesetzt wird oder neidischen Nachbarn die glorrreichen Lebensleistungen des Dahingeblichenen final unter die Nase gerieben werden? Oder sollte der Stein eher ein Ort des letzten Aufbegehrens des früh Erkalteten sein, der Welt ein letztes Mal den Finger zu zeigen?

Wie wäre es mit Inschriften wie:
„Offline“
„Komme gleich wieder“
„Hier könnte Ihre Werbung stehen“

Es bleiben Zweifel.

Es ist 22:30 Uhr, ich hocke immer noch im Büro und krieche langsam auf dem Zahnfleisch. Noch knapp 26 Stunden bis zum Urlaub und Projektstress bis Oberkante Unterlippe. Mal wieder eine spätabendliche Bugfixing Session. Ich wüßte nicht was ich lieber täte. Sollte es irgendwann mal eine neue Ausgabe der göttlichen Komödie geben, bestehe ich auf einer Erweiterung der Höllenkreise durch einen „IT-Projekt“ Kreis.

Hätte ich bloß was Vernünftiges gelernt. Dann müsste ich mir jetzt nicht die Nacht mit so einem Sch… um die Ohren schlagen.

Ein schön kaltes Bier wäre jetzt was Feines. Moment! Hatte nicht ein Kollege neulich irgendwas von einem Kasten erwähnt. Mache mich mal auf die Suche…
Habe ihn gefunden. Tatsächlich, ein zur Hälfte gefüllter Kasten. Mindesthaltbarkeit: 01.05.07. Ich könnte heulen.

Wie unzweifelhaft feststeht, gibt es Tage, an denen sich beim ersten vorsichtigen Blinzeln ein Gefühl bodenloser Frustration einstellt. Da das Gefühl zumeist in vollendeter Symbiose mit an Fatalismus grenzender Lust- und Willenlosigkeit auftritt, sieht man sich dieser emotionalen Ohrfeige wehrlos ausgesetzt. Heute ist einer dieser Tage

Die Stunden plätschern in stiller Monotonie an mir vorbei. Selbst die tägliche Telefonkonferenz aller Entwickler, sonst ein Highlight des Tages, passt sich der Stimmung an und endet ereignislos nach bereits 5 Minuten. Montage sind international.

Nachdem sogar der Einbau neuer Funktionen in die Software unangemessen problemlos verläuft, gebe ich diesen Tag unrettbar verloren. Es geschieht nichts aber auch rein gar nichts, das etwas Abwechslung in die vorherrschende Trostlosigkeit bringt. Das Telefon, mein letzter verbliebener Hoffnungsschimmer, bleibt stumm. Ein eigenartiges Gefühl macht sich breit. Bin ich der letzte Mensch auf Erden? Der vergessene Außenposten einer untergegangenen Zivilisation? Ein vorsichtiger Blick aus dem Fenster läßt mich erleichert aufatmen. Die übliche, skurrile Melange ziellos hin und her eilender Gestalten

Draußen beginnt es zu regnen. Der für diese spontane Wetteränderung gewählte Zeitpunkt könnte kaum passender sein. Gehe ich halt im Regen nach Hause. Der meteorologische Umschwung bedeutet zumindest Abwechslung und an Tagen wie diesen darf man nicht wählerisch sein. So bleibt nur noch eines zu tun: Ins Bett gehen und hoffen das morgen nicht schon wieder Montag ist.